Peppol in Deutschland: Was eine gültige BIS-3.0-Rechnung zusätzlich verlangt
Sitzen Verkäufer und Käufer beide in Deutschland, muss eine Peppol-BIS-Billing-3.0-Rechnung mehr erfüllen als EN 16931 und die allgemeinen Peppol-Regeln. Das offizielle OpenPeppol-Regelwerk enthält 31 deutsche nationale Regeln, die DE-R-Regeln. Die meisten sind verpflichtend: Schlägt eine fehl, ist die Rechnung ungültig. Einige sind Warnungen.
Dieser Artikel zeigt, was die deutschen Regeln verlangen, warum „gültig“ immer eine Versionsnummer hat und wie SealDoc jede deutsche Peppol-Rechnung prüft, bevor sie entsteht.
Wann die deutschen Regeln gelten
Jede DE-R-Regel beginnt mit derselben Bedingung: Lieferant und Kunde sitzen beide in Deutschland. Eine Rechnung eines deutschen Verkäufers an einen Käufer in den Niederlanden oder eines französischen Verkäufers an einen deutschen Käufer wird gegen EN 16931 und die Peppol-Regeln geprüft, aber nicht gegen die DE-R-Regeln.
Was die deutschen Regeln verlangen
Gruppiert nach Teil der Rechnung, mit den Regelnummern aus dem offiziellen Regelwerk, Release 3.0.21.
Verkäufer
| Regel | Anforderung |
|---|---|
| DE-R-002 | Die Gruppe Verkäuferkontakt (BG-6) ist vorhanden |
| DE-R-005 | Kontaktstelle des Verkäufers (BT-41) |
| DE-R-006 | Telefonnummer des Verkäuferkontakts (BT-42) |
| DE-R-007 | E-Mail-Adresse des Verkäuferkontakts (BT-43) |
| DE-R-003, DE-R-004 | Ort (BT-37) und Postleitzahl (BT-38) des Verkäufers |
| DE-R-016 | Bei Steuerkategorie S, Z, E, AE, K, G, L oder M: die USt-IdNr. des Verkäufers (BT-31), die Steuernummer (BT-32) oder ein Steuervertreter (BG-11) |
| DE-R-027, DE-R-028 (Warnungen) | Eine plausible Telefonnummer (mindestens drei Ziffern) und eine wohlgeformte E-Mail-Adresse |
Käufer und Lieferung
| Regel | Anforderung |
|---|---|
| DE-R-015 | Käuferreferenz (BT-10) |
| DE-R-008, DE-R-009 | Ort (BT-52) und Postleitzahl (BT-53) des Käufers |
| DE-R-010, DE-R-011 | Bei einer Lieferanschrift (BG-15): deren Ort (BT-77) und Postleitzahl (BT-78) |
Zahlung
| Regel | Anforderung |
|---|---|
| DE-R-001 | Zahlungsanweisungen (BG-16) |
| DE-R-023-1, DE-R-023-2 | Überweisung (Code 30 oder 58): die Gruppe Überweisung (BG-17), keine Karten- oder Lastschriftgruppe |
| DE-R-024-1, DE-R-024-2 | Zahlungskarte (Code 48, 54 oder 55): die Kartengruppe (BG-18), keine andere Zahlungsgruppe |
| DE-R-025-1, DE-R-025-2 | Lastschrift (Code 59): die Gruppe Lastschrift (BG-19), keine andere Zahlungsgruppe |
| DE-R-030, DE-R-031 | Lastschrift: die Gläubiger-ID (BT-90) und die Kennung des belasteten Kontos (BT-91) |
| DE-R-018 | Skonto in den Zahlungsbedingungen (BT-20) in einem festen Format, zum Beispiel #SKONTO#TAGE=14#PROZENT=2.00# |
| DE-R-019, DE-R-020 (Warnungen) | Eine gültige IBAN bei SEPA-Überweisung (58) und SEPA-Lastschrift (59) |
Steuer und Dokument
| Regel | Anforderung |
|---|---|
| DE-R-014 | Der Steuersatz (BT-119) für jede Steuerkategorie |
| DE-R-017 (Warnung) | Ein Rechnungsartcode (BT-3) aus einer kurzen Liste: 326, 380, 381, 384, 389, 875, 876 oder 877 |
| DE-R-026 (Warnung) | Eine korrigierte Rechnung (384) verweist auf die vorausgegangene Rechnung (BG-3) |
| DE-R-022 | Anhänge (BG-24) haben eindeutige Dateinamen |
| DE-R-T02 (Warnung) | Ein externer Dokumentenort (BT-124) ist eine absolute URL |
Die Skonto-Regel überrascht die meisten Teams. Das Format ist streng: Jeder Eintrag beginnt und endet mit #, die Segmente lauten SKONTO, TAGE= und PROZENT= in Großbuchstaben, der Prozentsatz hat einen Punkt und zwei Nachkommastellen, und weiterer Text ist in dieser Zeile nicht erlaubt.
Warum „gültig“ eine Versionsnummer hat
OpenPeppol veröffentlicht seine Regeln in Releases. Eine Datei, die unter einem Release gültig ist, kann unter dem nächsten ungültig sein, weil Regeln hinzukommen oder verschärft werden. Release 3.0.21 ist seit dem 17. August 2026 verpflichtend. Gegenüber 3.0.20 kommt eine deutsche Regel hinzu, DE-R-T02.
Die ehrliche Antwort auf „Ist diese Rechnung gültig?“ enthält deshalb immer zwei Angaben mehr: gegen welche Regeln und in welchem Release.
Wie SealDoc deutsche Peppol-Rechnungen prüft
SealDoc erstellt die Peppol-BIS-3.0-Rechnung (UBL 2.1) aus JSON, über die API mit dem Profil PeppolBis3. Bevor die Rechnung entsteht, prüft SealDoc sie gegen EN 16931, die Peppol-Regeln und die deutschen Regeln. Eine Rechnung, die nicht besteht, wird nicht erstellt.
Damit unsere eigene Prüfung sagt, was die offiziellen Regeln sagen, haben wir das Ergebnis von einem unabhängigen Validator prüfen lassen. Am 2. Oktober 2026 lief phive, die Open-Source-Validierungsengine, mit den offiziellen OpenPeppol-Regeln 3.0.21 in einem isolierten Container, gegen genau die Bytes, die SealDoc liefert:
- eine Rechnung mit 19 %: gültig, keine Fehler, keine Warnungen;
- eine Rechnung mit 19 % und 7 % auf einer Rechnung: gültig, keine Fehler, keine Warnungen;
- eine Gutschrift: gültig, keine Fehler, keine Warnungen.
Und eine Gegenprobe: dieselbe Rechnung ohne die E-Mail-Adresse des Verkäufers. Der Validator lehnt sie mit DE-R-007 ab. So sieht man, dass die deutschen Regeln wirklich greifen.
Versand über Peppol
Der Versand über Peppol direkt aus SealDoc ist fast so weit. Wir schließen gerade die letzten Schritte der Anbindung ab.
Häufige Fragen
Gelten die deutschen Regeln auch grenzüberschreitend?
Sie gelten nur, wenn Verkäufer und Käufer beide in Deutschland sitzen. Eine grenzüberschreitende Rechnung wird gegen EN 16931 und die Peppol-Regeln geprüft.
Erstellt SealDoc auch XRechnung?
Ja. SealDoc erstellt XRechnung 3.0 (CII) als PDF/A-3 mit eingebettetem XML, im Browser mit SealDoc Invoice und über die API. Der Leitfaden zu XRechnung 3.0 erklärt die deutschen Regeln für dieses Format.
Womit fange ich an?
Mit der Einführung in Peppol BIS 3.0 für die Grundlagen und der Entwicklerseite für die API.